Für die Gemeinschaft Christlichen Lebens, (GCL), eine weltweite geistliche Gemeinschaft in der katholischen Kirche, sind die Lehren des Ignatius von Loyola die Quelle ihrer Spiritualität.

Ignatius entdeckt das „Ich vor Gott“

Das 16. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch viele Kriege und Schlachten. Die großen Nationen Spanien, Frankreich, England, der Stadtstaat Venedig, das Geschlecht der Habsburger, selbst die Schweiz müssen genannt werden. Amerika wird entdeckt, die Welt wird weiter und freiheitlicher.


Ignatius von Loyola
wurde 1491 in Spanien geboren und
1537 zum Priester geweiht. Er war
wichtigster Mitbegründer der Societas
Jesu
, des späteren Jesuitenordens.
Ignatius starb 1556. Bereits 1622
erfolgte die Heiligsprechung.



Das 16. Jahrhundert ist aber auch die Zeit großer Mystiker (Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz) und die Zeit großer gewissenhafter Katholiken wie Thomas Morus und John Henry Fisher – die Kirche steht irgendwo zwischen großer Innerlichkeit und bloßem Tun, zwischen Mystik und Macht.

Ignatius von Loyola ist wie Martin Luther ein Kind dieser Zeit. Er sieht auf der einen Seite den Gott, der „sein Gott“ ist, dem er sich ganz anvertraut als seine „himmlische Majestät“, von dem er mit allen anderen Christen zusammen seinen Lebensauftrag bekommt und dem gegenüber er Rechenschaft über sein Leben abzulegen hat. Und er sieht die „Übersetzung“ des Erkannten ins Tun, ins Handeln, ins alltägliche Leben.

Ignatius entdeckt das „Du Gottes“

Die Gebetssprache und die Inhalte seiner Betrachtungen im Exerzitienbuch (auch „Geistliche Übungen“) entstammen der Zeit des 16. Jahrhunderts. Da werden z.B. Feldlager eines gütigen und eines grausamen Herrschers zur Betrachtung angeboten. Die Motive, die Bewegungen, die darin eine Rolle spielen, werden heute in den Exerzitien sicher mit anderen Bildern unserer Zeit und in heutiger Sprache betrachtet. Und doch: der Grundgedanke des Ignatius zieht sich durch. Gott ist für ihn kein Gott der reinen Innerlichkeit, und Gott geht auch nicht auf in einem gebotenen Leben, in einer klaren Moral. Für Ignatius ist Gott ein persönliches Gegenüber, einer, mit dem er – in Jesus Christus – auf Augenhöhe redet, der ihm und dem er zuhört, der ihn und den er – vor allem in der Eucharistie – berühren kann.

Drei Gebetsübungen waren für Ignatius wichtig, in denen dieses Du Gottes besonders deutlich wird und die in den Exerzitien wie im Alltag eine Rolle spielen:


Das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, der Tagesrückblick, in dem Gott eingeladen wird, mit dem Betenden auf den vergangenen Tag zu schauen, in dem Gott Dank für alles Gute gesagt wird und in dem Gott gebeten wird, zu heilen, was verwundet ist. Für den neuen Tag wird eine Wahl getroffen, wird Kraft oder Segen erbeten. Der Betende lernt, mit den Augen Gottes auf das Geschehene zu schauen, um die Richtung für den neuen Tag zu finden.

Das
Gespräch der Barmherzigkeit: Ignatius stellt sich und den, der sich auf seine Exerzitien einlässt, vor den gekreuzigten Christus. Wieder geht es ins „Du“. Der Beter stellt die Frage, was Du, Christus, für mich, den Betenden, getan hast, heute oder in der vergangenen Zeit; und die Frage schließt sich an, was denn ich, der Betende, für Dich tue. Der Beter spricht „wie ein Freund mit einem Freund“, mit einfachen, eigenen Worten. Und im Gespräch kann ein nächster Schritt, vielleicht auch einfach ein Mehr an Leben sich andeuten.

Die
Betrachtung zur Erlangung der Liebe, welche mehr in die Werke als in die Worte gelegt werden müsse, so Ignatius. Das Geben und Nehmen von beiden Seiten, zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, wird hier – wenn auch in der Sprache des 16. Jahrhunderts – als das Kennzeichen zweier sich Liebenden beschrieben. Gott wird gesehen als einer, der sich müht und arbeitet für die Menschen, und als einer, der alles, was er hat, mit dem Geschöpf teilt. Das dankbar sehen, und darauf antworten: dahin zielen die Exerzitien des Ignatius.


Die drei Gebetsübungen erläutern wir ausführlich hier.


Ignatius erlernt die Sprache Gottes

Gott ist für Ignatius ein „ansprechender“ Gott. Die Sorge, die Ignatius aber hat, ist: Vermag er die Stimme und den Anruf Gottes zu hören – und mehr noch, auch zu verstehen? Ignatius geht in die „Schule Gottes“.

Eine Gebetsweise des Ignatius ist es, sich von Gott durch das Wort der Heiligen Schrift oder eines Gebetstextes (z.B. Vaterunser) ansprechen zu lassen. Ignatius hört
Wort für Wort innerlich so, als gelte es ihm persönlich, als spreche Gott selbst ihn im Alltag, in den Exerzitien, beim Gebet direkt an. Und wichtiger, als den Wortsinn zu erfassen, ist für ihn dabei die Frage, was dieses Wort, während er es „kaut und schmeckt“, an inneren Regungen in ihm auslöst und wohin diese Regungen ihn ziehen.

Ein zweiter Weg ist die
Schriftbetrachtung, in der sich Ignatius dem Geschehen in einer Bibelstelle „gleichzeitig“ macht. Wie ein Schauplatz soll die Szene der zu betrachtenden Perikope hergerichtet und gesehen werden. Mit allen Sinnen, als könne man das Stroh in der Krippe riechen, nimmt der Betende teil am Geschehen. Und er hört das Wort der Engel: „Frieden auf Erden!“, oder er sieht den blinden Bartimäus unsicheren Schrittes auf den Herrn zuwanken. Dabei sein, Zuschauer oder Handelnder sein, selbst Hirte oder Bartimäus sein – und dabei die inneren Regungen wahrnehmen und von daher mit Gott/Jesus ins Gespräch kommen.

Ignatius unterscheidet beim Wahrnehmen der inneren Regungen „Trost“ und „Untrost“. „Trost“ meint eine Zunahme an Glauben, Hoffnung und Liebe, ein „Mehr“ (magis) an Geschmack am Leben, meint anhaltende Ruhe, Frieden, ein Einstimmen in das „Ja“ zum Leben. „Untrost“ dagegen meint das Gegenteil: innere Unruhe, Hoffnungslosigkeit, Zweifel und Hass gegenüber sich selbst und anderen, innere Trockenheit, Lähmung. Aber Achtung: es gilt, die Geister doppelt zu unterscheiden: Zum einen die Frage: was regt sich da – besser: wohin ruft welcher Geist? Und dann: welcher Geist ist das, der sich regt? Gottes guter Geist oder gehe ich in einem „Scheintrost“ dem „Abergeist“ auf den Leim? Ist die Ruhe, die ich empfinde, ein Geschenk Gottes oder verhindert diese Ruhe, vom Abergeist her kommend, einen neuen, gottgewollten Aufbruch? Diese „Unterscheidung der Geister“ mit Hilfe der Begleitung, um dem Geist Gottes zu folgen und das Rechte zu wählen, ist letztlich Ziel der Exerzitien.

Harald Klein, 2011

Exerzitien





Exerzitienhaus Ahmsen
Am Kloster 8
49774 Lähden-Ahmsen

Telefon: 05964 93990, Fax: 05964 939911


Willkommen!

Angebote: Programm

Das Haus

Das Team

Bilder

Anmeldung

Kontakt und Anfahrt

Die Gemeinschaft Christlichen Lebens

Sitemap